Wissenswertes über Wasser

Der Luxus Wasser
Wir sind in der glücklichen Lage, genügend Wasser zu haben; kaum jemand überlegt sich beispielsweise, ob er sich ein Bad leisten kann oder nicht. Trotzdem sollte man sich fragen, ob es richtig ist, unser teuer aufbereitetes Trinkwasser gedankenlos die Toilette hinunterzuspülen. Gäbe es vielleicht noch andere Möglichkeiten? Es gibt sie, und wir stellen sie Ihnen gerne vor.
Jedes Kind weiss: Wasser kommt aus dem Hahnen wie die Milch vom Laden, und zwar jeden Tag soviel man immer will und nötig hat. In der Wüste, das weiss man auch, gibt es Wassermangel; dort muss man sparen mit dem Wichtigen Nass. Gelegentlich vergessen auch wir "Grossen", dass bei uns im wasserreichen Norden der lebenswichtigsten unserer Ressourcen mehr Sorge getragen werden müsste. Schliesslich müsste uns klar sein, dass die Gewässerverschmutzung, unsere Eingriffe in die Natur und unser äusserst grosszügiger Wasserverbrauch Probleme mit sich bringen.

Die Wasserkreisläufe
Wir verbrauchen konstant Wasser - und trotzdem ist wunderbarerweise immer frisches da. Dafür gibt es natürlich eine Erklärung: die zwei Wasserkreisläufe. Zunächst unseren kleinen "Haushalts"-Wasserkreislauf, bei dem das gebrauchte Wasser über die Kanalisation zur Kläranlage gelangt und dort wieder aufbereitet wird. Dann aber auch den grossen, ewigen und natürlichen Kreislauf, den wir Menschen nicht beeinflussen können. Durch Erwärmung und Abkühlung der Meeresoberfläche verdunstet Wasser und gelangt als Schnee oder Regen wieder ins Meer oder eben auf die Erde. Dieses Wasser nutzen wir.

Die Verschmutzung
Verunreinigung durch Verkehrsanlagen, Altlasten, undichte Kanäle, sorglosen Umgang mit gewässerverschmutzenden Mitteln oder die Nitratbelastung durch die Überdüngung des Bodens bereitet der Trinkwasseraufbereitung immer mehr Probleme. Auch die Schadstoffbelastung in der Luft bringt Schwierigkeiten; sie führt zum Beispiel zur Übersäuerung der oberirdischen Gewässer und des oberflächennahen Grundwassers. Wollen wir für die Zukunft die Ressource Wasser erhalten, sind Massnahmen zu ihrem Schutz erforderlich. Die Umweltbelastungen können allerdings nicht von heute auf morgen gestoppt werden, und siedlungsbedingt ergibt sich zudem eine Verminderung der Grundwasserneubildung.

Grundwasser - unsere eiserne Reserve
Wussten Sie, dass in manchen unterirdischen Grundwasserbecken Wasser liegt, das über 20'000 Jahre alt ist? Zum Vergleich: Die unteren Packeisschichten in den Polargebieten sind etwa gleich alt. Wasser ist der Grundstein alles Lebens, doch wenn wir zu dieser wertvollen Ressource nicht mehr Sorge tragen, dann dürfte auch sie irgendwann knapp werden. Man hat errechnet, dass in Westeuropa das Dreifache der Wassermenge verbraucht wird, die durch den natürlichen Wasserkreislauf wieder regeneriert werden kann. Nicht allzu tragisch, sind wir versucht zu denken, unser Planet ist schliesslich zu zwei Dritteln grosszügig mit Wasser bedeckt! Doch bei solchen Berechnungen darf man nur vom Süsswasseranteil ausgehen. Und den verringern wir konstant. Einerseits durch unseren verschwenderischen Umgang mit Wasser, andererseits durch unsere fatale Idee, die Natur korrigieren zu wollen. Da begradigen wir also Flüsse, legen Sümpfe trocken, bauen Stausees, richten unsere Landwirtschaft auf Höchstertrag aus, holzen Wälder ab. Und erreichen damit, dass unser Wasser noch schneller zurück ins Meer fliesst, weil ihm keine Zeit mehr gelassen wird, abzusickern, sich selbst im Boden zu filtern und so auf natürliche Weise wieder zu Grundwasser zu werden. Dabei kann unsere einzige Süsswasserquelle - der Niederschlag - nicht künstlich angekurbelt werden. Wir müssen mit dem auskommen, was uns die
Natur zur Verfügung stellt.

"Die heutige negative Wasserbilanz zeigt immer deutlicher, dass unsere Hauptanstrengung in keinem Fall mehr auf die weitere Ausbeutung des Grundwassers gerichtet sein darf, sondern auf eine möglichst häufige Wiederverwendung des Oberflächenwassers. " Frederic Vester in "Wasser = Leben"

Da ergibt sich folgende Frage: Wie kann ein einzelner Mensch mithelfen, unsere immer begrenzter werdende Ressource zu erhalten?
Wieviel Trinkwasser brauchen wir pro Tag?

Körperreinigung 55 Liter
WC 48 Liter
Wäsche waschen 19 Liter
Geschirr spülen 10 Liter
sonstige Reinigung 7 Liter
Garten 3 Liter
Trinken, Kochen 3 Liter
Total pro Tag 145 Liter



Stellt man sich diese Menge nun als 145 Tetrapackungen vor, ergibt sich eine ansehnliche Menge Trinkwasser.

Wie viel Wasser kann gespart werden?
Wasser sparen ist gar nicht so schwierig, wie man denkt - und vor allem hat es nichts mit Qualitätseinbusse zu tun. Das Beispiel Toilette als Trinkwasserverschwender: Ein herkömmlicher Spülkasten verbraucht 9 Liter Wasser durch eine einzigen Tastendruck. Ein Sparspülkasten hingegen tut die Arbeit ebenso gut mit 6 Litern oder wahlweise mit der Kleinspülmenge von 3 Litern, was in den meisten Fällen ausreicht. Theoretisch liesse sich so mehr als die Hälfte der täglichen Spülwassermenge sparen. Dies zusammen mit Wasserspar-Armaturen kann den Trinkwasserverbrauch problemlos von 145 Litern auf 98 Litern reduzieren - das sind ziemlich genau zwei Drittel der ursprünglichen Menge.

Regenwasser im Hausgebrauch
Nun eine weitere Frage: Benötigen wir tatsächlich für alles teuer aufbereitetes Trinkwasser? Oder reicht für bestimmte Vorgänge, zum Beispiel die Bewässerung des Gartens, auch Regenwasser? Natürlich - jeder Gärtner sammelt in einem Fass Regenwasser, weil es "weich" ist und damit für die Kulturen bekömmlicher. Auch für die Waschmaschine ist es bestens geeignet. Mit "weichem" Wasser benötigt man zudem weniger Waschpulver, dasselbe gilt für das Autowaschen. Und das WC ist erst recht nicht auf hochwertiges Trinkwasser angewiesen. Erfahrungswerte und Berechnungen ergeben folgende Zahlen: Mit Spar-Armaturen braucht man für das Duschen, Geschirrspülen, Trinken und Kochen noch insgesamt 53 Liter Trinkwasser pro Tag - gut ein Drittel der üblichen 145 Liter also. Die restlichen 45 Liter werden für die Toilette, die Wäsche, das Putzen und die Gartenbewässerung gebraucht. Und dafür kann ohne weiteres Regenwasser verwendet werden. Wie aber kommt ein normaler Haushalt zu Regenwasser?

Funktionsweise der Regenwassernutzung
Zuerst muss festgehalten werden, dass Regenwasser nie zu Trinkwasser wird. In einem Haus mit Regenwassernutzung muss es darum zwei getrennte Leitungssysteme geben. Durch das eine fliesst nur Trinkwasser, das andere ist nur für Regenwasser da. Der Funktionsablauf einer Regenwassernutzung ist denkbar einfach: Über das Hausdach wird Regenwasser aufgefangen. Durch eine Entwässerungstechnik wie zum Beispiel Fallrohre wird das Wasser einem Tank zugeführt. Dieser steht im Keller oder wird im Boden versenkt. Ein Schlammsammler gewährleistet dabei die Sauberkeit des Wassers. Wird nun die Spülung der Toilette betätigt, erfolgt durch eine Pumpe die Einspeisung von Regenwasser in das Netz. Bei starkem Regen sorgt ein automatischer Überlauf für die natürliche Entsorgung. Regnet es zuwenig und der Tank wird leer, wird automatisch durch den Impuls auf ein Magnetventil die Nachspeisung ausgelöst. Und wie kommt man nun zu einem solchen System? Es gibt natürlich viele verschiedene Arten von Regenwassernutzungsanlagen. Je nach Haus, Lage und Nutzung kann individuell das richtige ausgewählt werden. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall, sich bei einem Fachmann zu informieren.

Pro und Contra der Regenwassernutzung
Man kennt das Problem: Die einen sind dafür, die anderen dagegen. Meistens gilt das Sprichwort des goldenen Mittelweges. Die Gegner führen an, dass Regenwasser mikrobiologisch gesehen nicht rein sei. Das ist unbestritten - doch ist es gleichzeitig ein Argument dafür, nachdem wir oben festgestellt haben, dass reines Trinkwasser für die Toilette zu schade ist. Auch das Thema der hohen Wartungskosten wird immer wieder angesprochen. Dazu gibt es aber bereits Erfahrungswerte: Es sind schon seit 1984 solche Anlagen in Betrieb. Und bis jetzt haben wir noch nichts von Störungen gehört.